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Mindset - hochgradig überschätzt?

Aktualisiert: 27. Juli 2023


Eine Karte die von 2 Fingern gehalten wird mit der Aufschrift LOVE YOURSELF
Eine Karte die von 2 Fingern gehalten wird

Mindset - in aller Munde


«Mindset». Hype oder Haltung und seit wann in aller Munde? Die letzten Jahre hatte ich mich zugegebenermassen so gut wie ganz davon entfernt. Die wunderbare Idee, dass unser Denken unsere Realität bestimmt. Keine harte Arbeit, kein Wissen und keine Fähigkeiten nötig, nur die Message ans Gehirn: «Lass meine Träume wahr werden». Doch einmal eingetaucht in die Welt des Mindsets kann das Auftauchen sehr ernüchternd und schmerzhaft sein. Dann, wenn kein Einhorn am Wegesrand dich aufsteigen lässt.

ein rotes Pluesch-Einhorn steht vor rotem Hintergrund
Einhorn


Selbsthilfe-Mantras und Positivität prägen unsere Welt.

Sie predigen, dass allein die positive Einstellung Herausforderungen, die sich uns in den Weg stellen, meistert. Der Hype macht sich breit, ohne Zweifel. Ist die positive Einstellung nicht nur ein Puzzleteilchen des Ganzen und braucht das persönliche Wachstum nicht weit mehr als positives Denken? Positivität hat einen starken Einfluss auf unser Wohlbefinden und die Lebensqualität, gut, wer es hat. Schwierige Zeiten überstehen, Stimmung verbessern und sich auf das Gute im Leben konzentrieren, Mindset programmiert. Ziele verfolgen und überholen sich optimistisch und der Glaube an sich selbst strotzt mit ausgestreckter Brust. Magnetisiert ziehen wir andere Menschen in unsere Leben - die optimistische Energie wirkt wie ein Zauber.


Die Grenzen des positiven Denkens

Das Ziel ist erst erreicht, wenn sich die Realität des Lebens und das neue «positiven Denken» zusammentun. Doch wird das veränderte Mindset vor Schwierigkeiten bewahren und Hindernisse überwinden? Positive Gedanken und Affirmationen - schöne rosarote Fantasiewelt. Um Ziele zu erreichen, braucht es sicher einiges mehr und eine ausgewogene Perspektive auf das Leben. Mindset kommt nicht allein. Es hat all die guten Gefühle im Gepäck die wir unbewusst versuchen hinters Licht zu führen. Funktioniert der Zauber und ist das schöne Leben auf Kurs, dann beginnt der Morgen gut. Die Fahrradtour im Regen? Warum nicht! Was immer das Leben uns zuwirft, es wird lächelnd angenommen.


Mein «Morgens aufwachen» beginnt immer erst mit der Frage «wie fühlt es sich heute an» mein Mindset. Ratgeber für Glück und Erfolg auf dem Nachttisch - im Laufe der Zeit vermehrten sie sich wie die Problemzonen an meinem Körper. Auf die Sprünge haben sie mir nie ganz geholfen. Ich würde sagen, dass meine ist ein mittelmässiges Mindset. Emotionen, die versuchen, ihr Bestes zu geben, nicht zu dramatisch aber auch nicht anspornend oder gar mental stärkend. Um es vorwegzunehmen - ich habe «Mindset» gegoogelt, gelesen, geübt und geduldet. Ich habe selbstreflektiert, war bereit zu lernen und die Komfortzone zu verlassen. Ich habe Herausforderungen gemeistert. Ich stand vor dem Spiegel, doch die Entdeckungsreise ins «Ich» endete immer mit strapaziertem Kopfschütteln. Affirmationen auf unzähligen Post-it’s. Sie hingen nur kurz am Spiegel und nie lange genug, um eine positive Umstellung zu provozieren. "Ich bin schön". "Ich bin schlank". "Ich bin wertvoll" - mein Selbstwertgefühl hat sich kaputtgelacht!


Welche Rolle spielt also die Denkweise bei der Erreichung des Erfolgs

Unser Mindset entscheidet, wie wir die Welt betrachten. Wie gehen wir mit Herausforderung um, wie verfolgen wir unsere Ziele. Ich habe gelernt, dass es gibt zwei grundlegende Arten von Denkweisen gibt:


Die feste Denkweise und die Wachstumsdenkweise.

Eine feste Denkweise ist stur. Fähigkeiten und Talente sind festgelegt, sie müssen reichen. Keine Tricks und Tools, die Leistungen abrufen. Kein Wachstum. Kein Weiterkommen. Kein rosarotes Einhorn.


Menschen mit einer Wachstumsdenkweise hingegen sind risikobereit. Sie fürchten kein Versagen und trauen den eigenen Fähigkeiten und Talenten. Sie haben den Erfolg jenseits des positiven Denkens immer im Blickfeld. Proaktive Herangehensweise, Initiative ergreifen, kontinuierlich und mit Beharrlichkeit! Drachenreiter, Flaschengeist - alle zur Stelle!


Die Vorstellung, dass sich Dinge von selbst erledigen oder dass sich das Universum um uns kümmert, ist herrlich. Wunsch formuliert und abgeschickt! Gibt es die Abkürzung zur magischen Lösung? Wie viele Glaubenssätze sind nötig, um die Komfortzone zu verlassen? Wie viel, um Mühen und Anstrengung zu trotzen?


Die Gefahren der toxischen Positivität

Probleme lassen sich keinen Bären aufbinden! Die wollen gelöst werden, egal mit welcher Bewältigungsstrategie. Eine positive Einstellung ist dann besonders willkommen, wenn sich die Gedanken Gefechte liefern. Negative Emotionen sind meist in der Übermacht und verbünden sich mit Resignation, Skepsis und Aussichtslosigkeit. Das Problem zu ignorieren oder ins Universum zu schicken führt zu keiner Lösung. Es bedeutet nichts geringeres als Betrug an sich selbst oder toxische Positivität, die uns auf die faule Haut legt! Negative Emotionen sind nicht ohne Grund da. Sie nerven. Sie erinnern uns an unsere Schwächen, sie mahnen und fordern uns heraus. Sie wollen ein Gleichgewicht zwischen positiver Einstellung und den realistischen Erwartungen ans Leben herstellen - alles andere wäre Zeitverschwendung! Jeder Mensch hat wohl seinen eigenen Mindfuck! Besonders populär - Der Vergleich mit anderen! Sich selbst akzeptieren, kein Neid auf schlankere Körper. Glattere Haaren. Längere Beine. Kürzere Nasen. Andere sind immer besser. Immer erfolgreicher. Die Einhörner der anderen haben immer auch goldene Hufe!


Aufstehen und machen. Mein Mindset hing immer an einem seidenen Faden. An manchen Tagen hielt er, war stark und resistent. Dann, wenn ich mich unbesiegbar fühlte und mich zu spontanen Aktionen hinreissen liess. Spätestens am nächsten Morgen dann riss der Faden und die negative Emotion bedankte sich beim Mindset. Zu schlechter Laune gesellte sich «peinliche Berührtheit» auf Grund der unüberlegten Aktion vom Vortag. Ich hab’ die Ratgeber gelesen und bin auch die empfohlenen kalkulierbaren Risiken eingegangen - eine Kalkulation, die mich zu nicht mehr als juristischen Auseinandersetzungen führte. Wie also geht «Mindset» «Komfortzone verlassen» und «kalkulierbare Risiken eingehen»? Gar nicht so einfach.


Mein Mindset bestand mehr aus «wer wagt, gewinnt». Unter Wachstumsmentalität verstand ich gesellschaftliche Normen und Konventionen zu umgehen. Vertraute Lebensbereiche kannte ich lange nicht und Routine war mir ein Gräuel. Mein Mindset war faul.



  • Erfolg im Beruf? Die Sprossen der Karriereleiter standen viel zu weit auseinander

  • Erfolg in der Liebe? Es gab nur unkalkulierbare Risiken

  • Erfolg bei sportlichen Herausforderungen? Ich hasste Sport und Sportbekleidung


Ich denke täglich darüber nach. Ich haste durch Ratgeber und Podcasts und ende meistens mit «bringt eh’ nix». Meistens. Mein Mindset ist Mittelmass. Seit ich begann mit meinem Körper zu hadern, mit meinen Haaren zu kämpfen und an meinem Verstand zu zweifeln, lastet dieser Sack morgendlicher Gedanken auf mir und lässt mich nur schwer in die Gänge kommen. Die Anhang-Drüse im Gehirn schlägt Alarm und befielt der Nebenniere Adrenalin und Cortisol zu produzieren. Stresshormone und gedrückte Stimmung als Konsequenz. Wo ist jetzt der Olympiasieger, der sich einfach nur vorstellt zu gewinnen? Der den Kampf nur mit der Macht seiner Gedanken aufnimmt und die Medaillen gewinnt. Was ist wirklich dran am Mindset? Das erstaunliche Konzept, das alles verändert (oder auch nicht).


«Glück gehabt» triftt es ganz gut und machte den grössten Teil meines Lebenserfolgs aus. Ich bin jetzt über dem Berg und die Risiken sind nicht mehr so «unkalkuliert». Mein Mindset versucht sich gerade auf die eigene Optimierung zu besinnen und das Leben auf meine eigene Persönlichkeit auszurichten. Ich begann mit einer bescheidenen Liste:

  • Emotionale Freiheit leben

  • Visualisierung trainieren

  • Selbstzweifel ausmerzen

  • Positive Einstellung pflegen


Meine bisherige Vision war falsch, denn die war fast immer auf das Wohlergehen anderer gerichtet.


Mindset ist keine Magie und bewirkt keine Wunder. Kann es eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung unserer Einstellungen, Verhaltensweisen und Lebensergebnisse spielen?

Ein positives und optimistisches Mindset heisst Arbeit! Das kommt nicht von allein und schon gar nicht von heut’ auf morgen. Mindset heisst, sich Zeit nehmen, auf sich aufpassen und an realistische Glaubenssätze festhalten. Es heisst Dankbarkeit und Achtsamkeit. Mindset heisst, Misserfolge annehmen und Erfolge feiern, es heisst, hart an sich zu arbeiten. Mindset braucht Geduld!


Aus was besteht nun Mindset und was will es sagen?

Selbstreflexion: Nichts anderes als Weiterentwicklung. Nicht immer angemessen reagieren. Verhaltensmuster früh genug hinterfragen und merken, wann es Zeit für die Notbremse ist.


Fokus: Was ist tatsächlich wichtig? Mutig sein und den eigenen Weg gehen. Keine Angst, Entscheidungen zu treffen. Fehlentscheidung? Egal! Du versagst nicht, sondern gewinnst an Lebenserfahrung. Warte nicht, hin und wieder in Dich hineinzuhorchen. Selbstreflexion ist der Zauberstab auf dem Weg.


Freundschaft, Liebe, Menschlichkeit, Kreativität – lassen sich nicht einfach so „optimieren“ – aber man kann das Leben ein wenig mehr dafür öffnen.


Durchatmen und weiter: Es ist wichtig, sich zu akzeptieren. Eine mächtige Hürde. HB-Männchen? Zu emotional? Man darf in die Luft gehen - danach kurz sammeln und wieder zu sich kommen. Beim nächsten Mal sich erinnern und nicht mehr so hochspringen. Einfach auf die eigenen Denkmuster achten!


Du willst Dich verbessern?

Vergiss es, denn Du bist gut, wie Du bist. Kein Druck und nicht zu viel Selbstaufmerksamkeit. Konzentration auf das, was glücklich macht. Fremde Ziele sind keine Option. Egal ob Selbstreflexion. Selbstwahrnehmung oder Mindset. Es geht um Wachstum, Glück, Erfolg. Es geht um Liebe, Kreativität und Selbstwert. Verliere diese Werte nicht aus den Augen und Du wirst alles richtig machen. Es geht um Dein Leben.


Sike Schönweger. Sie hat kräftig an mir gerüttelt. Hat mich erinnert und gecoached. Ich glaube wieder häufiger an meine Träume. Manchmal schaffe ich es «gross» zu denken, daran, selbständig Geld zu verdienen, wann ich will und vor allem wo ich will. Mein MINDFUCK ist der Klassiker, so wie im Fachbuch beschrieben «Gedanken und Gefühle, mit denen wir uns täglich selbst sabotieren». Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen und Denkmuster, die mich runterziehen. Ich bin kein Pessimist. Ich versuche das Negative zu verdrängen und schenke ihm oft zu viel Aufmerksamkeit.


Ich freue mich über jeden Tritt in meinem Hintern. Der von Silke kam rechtzeitig und sorgte dafür, dass mein Glas nun wieder halb voll ist.



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